Tanglen: Kreativ mit Stift und Papier

Es war sehr lange ruhig hier, einerseits, weil ich viel gearbeitet habe und nicht so viel zum Stricken gekommen bin, wie ich gerne wollte. Dazu kommt, dass ich ein weiteres Hobby für mich entdeckt habe, das nichts mit Wolle und Handarbeiten, sondern mit Zeichnen zu tun hat. Lange dachte ich, dass das nichts für diesen Blog sei, aber warum eigentlich nicht? Ich werde eine extra Kategorie dafür einfügen, damit ihr die Wahl habt ob ihr da auch mal reinschauen wollt, oder ob ihr euch an die wolligen Themen halten wollt.

In heutigen Blogeintrag möchte ich das Tanglen vorstellen, eine bestimmte Art zu zeichnen, die ich für mich entdeckt habe und die mir sehr beim Entspannen hilft.

Nach einer Anleitung dazu wurde ich mehrfach auf Twitter gefragt. Also Steffi, der ist für dich. Danke, dass du so hartnäckig warst. ❤

Die von mir genutzte Technik lehnt sich an die Technik Zentangle an. Zentangle ist eine geschützte Marke und darf auch nur von zertifizierten Zentangle Lehrern (CZT) unterrichtet werden. Wollt ihr diese Technik lernen, sucht euch bitte einen Kurs bei einem/ einer CZT. Ich habe mir lediglich Elemente daraus entlehnt und zeige hier, wie ich sie ganz persönlich umsetze.

Also, los geht’s:

Das Material

Material Tangle

Ich nutze für meine Zeichnungen entweder ein Notizbuch, Postkarten oder diese Kärtchen, die aus einem Artist’s Tile Set stammen. Zum Zeichnen nutze ich sehr gerne die Micron Liner von Sakura, in 0,05, 0,1 und 0,5. Daneben seht ihr noch die Liner von Staedler in 0,05 und 0,1. Die sind hier deutlich einfacher zu bekommen. Zusätzlich braucht ihr einen Bleistift in 2B und einen Papierwischer.

Ihr habt nur einen Notizblock, einen schwarzen Fineliner und einen Bleistift? Das reicht, fangt einfach an. Wenn es euch gefällt, könnt ihr immer noch Material besorgen.

Der Anfang

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Bevor ihr jetzt total begeistert auf Pinterest oder Google die vielen tollen Tangles seht und denkt: „das bekomme ich nie hin und überhaupt, ich kann gar nicht zeichnen!“ Keine Panik! Das hier ist mein erstes Tangle. Und das bekommt ihr auch hin. Locker, würde ich meinen.

Was man hier schon deutlich seht: ein Tangle besteht immer aus unterschiedlichen Feldern. Deshalb nehmen wir jetzt das Kärtchen und einen Bleistift und malen locker aus dem Handgelenk Linien, Wellen oder Kringel darauf. Wenn ihr das auf einem N

otizblock machen wollt: das Kärtchen ist 10 x 10 cm groß.

Tanglekärtchen mit Bleistiftlinien

Die Muster

So sieht mein Kärtchen aus. Den Bleistift könnt ihr jetzt zur Seite legen, den brauchen wir erst später wieder. Aber wie wollen wir die Felder jetzt eigentlich füllen? Nehmen wir doch einfach die Muster, die auch ich für mein erstes Tangle benutzt habe. Wenn ihr Inspiration und Muster sucht, eine Suche nach Tangle Patterns ist da sehr ergiebig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass drei bis vier Muster pro Teil völlig ausreichen, sonst wirkt es schnell überladen.

Bevor wir jetzt mit dem ersten Tangle starten, üben wir mal kurz die drei Muster auf einem Stück Schmierpapier.

Muster 1: Kugeln

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Dieses Muster habt ihr vielleicht selbst schon mal vor euch hingekritzelt. Kleine und große Blubberblasen. Variiert einfach die Größe, lasst Raum zwischen den Blasen oder ballt sie eng zusammen. Das ist ein tolles Muster zum Füllen von Flächen und ich benutze es selbst sehr gern.

Muster 2

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Das zweite Muster, das wir benutzen, beginnt mit Halbkreisen.

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Um die Halbkreise wird jeweils ein weiterer Halbkreis gezogen. Die Innenfläche wird mit geschlossenen Formen gefüllt, die nach Innen immer kleiner werden.

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Die Halbkreise können jetzt schwarz gefüllt werden. Oder mit weiteren Mustern, oder, oder, oder… Möglichkeiten gibt es da total viele, das macht das Tanglen so abwechslungsreich.

Muster 3

Muster Nummer Drei ist einfach nur ein Zickzack-Muster. Ihr fangt damit einfach in der Mitte des Felds an, das ihr Füllen wollt, füllt danach erst die obere dann die untere Hälfte mit dem Muster.

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Jetzt geht’s aber wirklich los

Nachdem ihr jetzt die Muster ein bisschen geübt habt, geht es jetzt wirklich los. Nehmt das vorbereitete Kärtchen zur Hand und füllt die einzelnen Felder mit den drei Mustern, die wir uns gerade angeschaut haben.

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Ich habe mit Muster 2 begonnen und eine Variante davon gewählt: Ich habe nicht den ganzen Halbkreis schwarz gefüllt, sondern habe einen abgesetzen Halbkreis mit kleinen Blasen gemalt, wie wir sie auch für Muster 1 benutzt haben. Außerdem seht ihr, dass ich die Linien, mit denen ich die Mitte gefüllt habe, nicht an allen Stellen durchgezogen habe, was einen interessanten Effekt ergibt.

Außerdem seht ihr, dass ich offenbar etwas Farbe an die Hand bekommen habe und damit das Papier bekleckst habe. Egal, das bleibt so. Fehler gibt es nämlich beim Tanglen nicht. Deshalb war bei der Materialauswahl vorhin auch kein Radiergummi. Es wird einfach gezeichnet und wenn mal was daneben geht, dann ist das eben einfach so. Das ist mir am Anfang sehr schwer gefallen, jetzt bin ich sicher, dass ich im Verlauf des Zeichenprozesses schon Möglichkeiten finden werden, die Flecken in die Zeichnung einzubinden.

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Und weiter geht es. Die Bleistiftlinien geben euch Orientierung, aber nichts ist in Stein gemeiselt. Es kann sogar ganz charmant aussehen, wenn die Bläschen auch mal ins Nachbarfeld blubbern.

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Ob ihr die Felder ganz mit Mustern füllt oder nur lockere Grüppchen bildet, bleibt ganz euch überlassen. Ich finde, das kommt auf das Muster an, aber auch, wie luftig oder kompakt ihr eine Zeichnung gestalten wollt.

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Die ursprünglichen Bleistiftlinien sahen nur noch drei große Felder vor. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich in der oberen rechten Ecke gern noch etwas Muster hätte, also habe ich noch eine zusätzliche Linie eingezogen.

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So, fast alle Felder sind gefüllt, bis auf eines in der oberen rechten Hälfte. Mir wäre das zuviel Muster in der einen Ecke gewesen, also habe ich es in das Feld mit den Kugeln integriert.

Fällt euch etwas auf? Die großen Flecken sind größtenteils im Muster verschwunden. Es ist ganz hübsch geworden, aber so richtig zufrieden bin ich noch nicht.

Das Finish

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Um das Tangle interessanter zu gestalten und noch ein bisschen Dynamik reinzubringen, habe ich mich entschieden, die Formen der Linien nachzuziehen. Auch hier habe ich keine durchgehenden Linien gewählt, sondern habe sie immer wieder durchbrochen. Das macht das ganze zusätzlich interessant. Auch das Feld rechts oben, das ich vorher nicht gefüllt habe, habe ich so nachgezogen. Gefällt mir persönlich sehr gut.

An dieser Stelle könnt ihr euch fast schon zufrieden zurücklehnen. Eines fehlt auf jeden Fall noch: eure Signatur!Schließlich ist es euer Werk und ihr dürft stolz auf euer erstes Tangle sein. Nehmt am besten nochmal das Schmierpapier her und probiert aus. Eine Kombination aus euren Initialen, ein bestimmtes Symbol – was soll dafür stehen, dass DU dieses Tangle gezeichnet hast?

Jetzt nehmt das Tangle mal, haltet es vor euch und dreht es um die eigene Achse. Ich finde es total faszinierend, wie sich die Wirkung verändert, je nachdem, wie man es dreht.

Schattierungen

Eine Sache könnt ihr noch tun, um dem Tangle Tiefe zu verleihen: bestimmte Bereiche schattieren. Dafür benötigt ihr nun wieder den Bleistift und den Papierwischer.

Schaut euch zuerst das Tangle an und überlegt, welche Bereiche ihr hervorheben wollt. Dabei könnt ihr euch wie beim klassischen Zeichnen einen imaginären Lichteinfall vorstellen und dementsprechend schattieren, oder einfach nur Elemente hervorheben, auf die es euch besonders ankommt. Ich habe letzteres gemacht.

So bin ich vorgegangen:

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Mit dem Bleistift schraffierst du entlang der Linie, die du hervorheben möchtest.

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Wenn ihr einen Papierwischer benutzt, haltet ihn ziemlich flach, also wischt nicht direkt mit der Spitze, sondern der Seite. Setzt ihn so an, dass die Spitze in Richtung der freien Flache zeigt, wie auf dem Bild. Dieser Schritt ist nicht notwendig, ich nutze dieses Werkzeug aber sehr gern und wollte es euch deswegen kurz zeigen.

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Fertig! Ich hoffe, ihr hattet Spaß, mich beim Tanglen zu begleiten. Wenn es Fragen oder Anmerkungen gibt, nutzt sehr gern die Kommentarfunktion.

Wenn euch das inspiriert, es selbst mal auszuprobieren, könnt ihr mir gern eure Ergebnisse schicken und ich zeige sie dann hier. Wenn ihr auf Twitter oder Pinterest unterwegs seid, benutzt den Hashtag #podtangle, damit wir gegenseitig unsere Werke bewundern können.

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