Die verstrickte Dienstagsfrage #103

Auch heute hat das Wollschaf wieder eine spannende verstrickte Dienstagsfrage im Gepäck. Dann legen wir doch gleich mal los:54-free-cartoon-sheep-clipart-illustration

Hat sich Dein Strickgeschmack im Laufe der Jahre hinsichtlich der verwendeten Garne, der bevorzugten Projekte und/oder der Art der Modelle verändert?
Was hast Du früher ge- bzw. verstrickt, was strickst Du heute und worauf führst Du den Wandel -sofern es einen gibt- zurück?

 

Liebes Wollschaf,

mein Strickgeschmack hat sich ganz eindeutig mit meinem Kenntnisstand verändert. Zu meinen liebsten Strickprojekten gehören inzwischen Lacetücher und -schals. Früher hätte ich mir nie vorstellen können, so etwas leichtes und filigranes zu stricken. Da stand alles hoch im Kurs, was mit dicker Wolle und ebensolchen Nadeln zu bewerkstelligen ist.

Eines ist aber über die Zeit gleich geblieben: Meine Vorliebe fürs Sockenstricken…. Apropos…. das könnte ich doch eigentlich mal wieder in Angriff nehmen. Aber erst geht es wieder zurück zu den Wurzeln. Mit dicken Nadeln und Filzwolle entstehen gerade Filzpuschen. Das inzwischen vierte Paar diesen Winter und es werden wohl nicht die letzten bleiben.

Viele Grüße & eine gute Woche,

Tee & Kekse

 

Die verstrickte Dienstagsfrage #95

Lange war es ruhig auf Tee & Kekse, das soll sich jetzt aber endlich wieder ändern – das heißt, so es der aktuell anstehende Umzug und mein herzallerliebster Telefonanbieter mit den Blubberblasen es zulassen. Es scheint allerdings irgendwie ein größeres Problem zu sein, an der alten Adresse den Anschluss zu deaktivieren und an der neuen Adresse freizuschalten. Klar, da hat man sicher auch keine Übung darin, kommt bestimmt auch nicht häufig vor, dass jemand umzieht. Sonst hätte man mir sicher auch mitteilen können, wann die Ab- und Freischalttermine denn nun seien…

Atemberaubend gut fand ich auch den „Kundenservice“. Der Hinweis darauf, dass das Internet dringend etwa fürs Arbeiten gebraucht wird und deshalb ein zeitnaher Freischalt-Termin eine durchaus formidable Sache sein könnte, wurde von der Dame am anderen Ende mit einem ebenso herzlichen wie verständnisvollen: „Das spielt keine Rolle“ beantwortet. Ihr merkt schon: sollte es in nächster Zeit wieder recht ruhig sein, liegt das wahrscheinlich nicht daran, dass es einfach keine Rolle spielt, ob man als Kunde die Dienstleistung in Anspruch nehmen kann, solange man nur dafür zahlt – und natürlich noch 50 Euro zusätzlich dafür, dass man für unbestimmte Zeit von den Versuchungen der großen weiten Online-Welt verschont wird.

Solange ich aber noch den Draht ins Netz habe, kommt hier die aktuelle verstrickte Dienstagsfrage für Euch.

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Zwei Wochen war das Wollschaf krank – jetzt fragt es wieder, Gott sei Dank :-=)

Heute ist Herbstanfang, die Tage werden kürzer und kälter und wer nicht sowieso schon ganzjährig die Nadeln schwingt, bekommt jetzt richtig Lust auf’s Stricken.
Was sind Deine Herbst-Strickpläne, welche Projekte stehen in den nächsten Wochen und Monaten auf Deiner todo-Liste?
Oder lässt Du Dich einfach treiben und strickst, was Dir gerade über den Weg läuft?

Liebes Wollschaf,

zuerst einmal: schön, dass Du wieder auf den vier Beinen bist, ich habe Dich und Deine unterhaltsamen und spannenden Fragen schon vermisst.

Das Herbstanfang ist, ist mir leider nicht entgangen, die Temperaturen sind schneller abwärts gesaust als ich in der Wasserrutsche bei einem der seltenen Freibadbesuche während dieses zweifelhaften Teilzeitsommers. Die Lust zum Stricken ist allerdings ungebrochen und so habe ich erst vergangene Woch ein Paar Socken angeschlagen, bei denen ich zum ersten Mal eine nachträglich eingestrickte Ferse ausprobieren möchte. Warum das? Ganz einfach! Die Sockenwolle ist gemustert und ergibt mit 64 Maschen ein perfekt gleichmäßiges Ringelmuster. Das wollte ich nicht durch das Stricken einer Ferse unterbrechen. Statt dessen habe ich entschieden, Ferse und Zehenabnahmen in einer anderen Farbe zu arbeiten. Fotos gibt es demnächst. Ich bin schon gespannt, wie hinterher die Passform sein wird, aber dazu ein ander Mal….

Viele Grüße & eine gute Woche,

Tee & Kekse

Sonntagsfreuden: Backen, Stricken und Erdbeeren

Was für ein wundervoller Sonn(en)tag. Quasi über Nacht ist es Hochsommer geworden. Strahlende Farben und Wärme lassen zumindest meine Kreativität sprießen. Und weil ich es schon längst einmal vorhatte, mache ich mit diesem Beitrag auch zum ersten Mal bei den Sonntagsfreuden von Frau Kreativberg mit.

socken charade

Viel Freude machen mir die Socken Charade, über die ich schon in einem früheren Beitrag geschrieben habe. Dort findet Ihr auch den Link zur kostenlosen Anleitung. Der erste ist schon fertig und auch beim Zweiten kann man zusehen, wie er wächt.

Marmormuffins

Köstlich ist auch die zweite Sonntagsfreude: Ich habe fructosearme Marmormuffins gebacken und möchte Euch meine Variante natürlich nicht vorenthalten:

Marmormuffins
(Für 12 Stück)

100 g Butter
ca. 100 g Traubenzucker
2 Eier
250 g Mehl
1 TL Backpulver
1 TL Backnatron
ca.5-6 EL Milch
3 TL Kakaopulver (ohne Zucker)
Vanille, Zimt

Die Butter mit Traubenzucker, Vanille und Eiern schaumig rühren. Mehl, Backpulver Natron in die Schüssel geben und die Milch hinzufügen. Den Teig rühren bis er eine gute Konsistenz hat und nicht zu fest, aber auch nicht zu flüssig ist. Bei Bedarf noch Milch hinzufügen.

Zwei Drittel des Teiges in die Papierförmchen in der Muffinbackform geben.

Anschließend den Kakao und eine Prise Zimt unter den verbliebenen Teig rühren. Evtl. noch Milch hinzufügen. Einen Löffel von dem Schoko-Teig auf den hellen Teig setzen, so dass am Ende alle Förmchen etwa halbhoch befüllt sind.

Bei 150 Grad Ober- und Unterhitze im vorgeheizten Backofen 25 bis 30 Minuten backen. Wegen dem Traubenzucker sollte keine zu hohe Temperatur gewählt werden, da er sehr schnell braun wird!

Genießen und freuen!

ErdbeerenUnd last but noch least sind die Erdbeeren reif… Köstlich rot und einfach wunderbar lecker! Was braucht es mehr?

Socken stricken, Thriller & Obstshake

Heute ist ein richtig schöner Sonnentag – Grund genug, es sich mit Strickzeug, einem guten Buch und einem leckeren Obst- oder Fruchtshake auf dem Balkon gemütlich zu machen. Dementsprechend gibt es heute auch gleich drei Tipps für Euch…

socken stricken anleitung kostenlos

Mir ist eingefallen, dass ich für einen demnächst anstehenden Geburtstag noch ein Paar Socken benötige. Weil ich mal wieder Lust auf ein neues Muster hatte, habe ich bei ravelry geschaut – und wie üblich das Richtige gefunden. Angestrickt habe ich also die Socken „Charade“ von Sandra Park. Ein echtes Mindless-Projekt, das flink von den Nadeln geht, weil das Muster total einfach zu merken und schnell zu stricken ist. Hier findet Ihr den Link zur kostenlosen Anleitung.

cotton stretch wolle rödel

Verwendet habe ich dafür die „Cotton Stretch“ von Wolle Rödel. Ich muss sagen, ich bin ein bisschen zwiegespalten, was das Garn angeht. Es hat eine schöne Farbe und mit dem hohen Baumwollanteil ist es trotz der warmen Temperaturen eine Freude, Socken zu stricken. Sicher werden sie sich auch in der warmen Jahreszeit gut tragen lassen. Allerdings fusselt die Wolle – oder richtiger das Garn, denn die Cotton Stretch ist 100 % Wollfrei, schon beim Verstricken. Ich hoffe, dass sich das beim Waschen gibt. Hat jemand von Euch schon Erfahrungen damit gemacht?

obstshake rezept kostenlosPassend zu dem schönen Sonnenwetter habe ich mir einen strahlend gelben Obstshake oder Smoothie gemacht, wie die Getränke jetzt ja auch ganz gern heißen. Weil ich ihn super lecker fand, kommt hier das Rezept für Euch. Ihr benötigt:

1 reife Banane

1/2 Mango

evtl. 1/2 Apel

Orangensaft

Mineralwasser

einige Eiswürfel nach Belieben

Banane und Mango in Stücke schneiden und in einen Mixbecher geben. Ich habe zusätzlich einen halben Apfel kleingeschnitten und dazugegeben. Dieser wird allerdings nicht cremig wie die anderen Zutaten, sondern bleibt ein wenig Stückig. Einfach ausprobieren, ob Es Euch schmeckt. Die Zutaten mit Orangensaft aufgießen, bis sie bedeckt sind und mit dem Stabmixer cremig pürieren. Mit Mineralwasser auffüllen, bis es die richtige Süße für Euch hat. Mit einem Löffel nochmals verrühren und nach Belieben einige Eiswürfel dazugeben.

phil rickman sündenflutWährend ich so meinen Shake trank, fiel mein Blick auf Buch und Strickzeug. Auf dem Foto kommt es nicht so gut raus, aber Strickzeug und Buch haben tatsächlich ganz ähnliche Türkis-Töne. Ich habe ja schon Leute gesehen, deren Nagellack 100 % zum aktuellen Strickprojekt gepasst hat, aber die passende Lektüre zur Wolle? Das fand ich schon witzig. Aber wenn wir schon dabei sind, kann ich auch noch ein paar Worte zu dem Buch und der Serie verlieren, aus der es stammt.

„Sündenflut“ ist der inzwischen 10. Band aus der Mystery-Serie um die anglikanische Pfarrerin und „Beauftragte für spirituelle Grenzfragen“ Merrily Watkins. Der englische Autor und Radiomoderator Phil Rickman versteht es wie kein Zweiter, Thriller mit dem gewissen Etwas zu schreiben. Meisterlich schafft er Stimmungen, so dass man meint, die kühle Athmosphäre eines Regentags in der englischen Provinz oder das Hallen von Schritten auf dem Boden einer Kirche wirklich zu spüren oder zu hören. Regelmäßig schafft er es, die Grenzen der realen Welt auf eine Art zu verwischen, dass einem angebliche oder tatsächliche Geistererscheinungen oder andere Phänomene plötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich vorkommen. Seine Hauptfigur Merrily Watkins hat deshalb als alleinerziehende Mutter nicht nur mit möglicherweise übernatürlichen Phänomenen und der hohen Heizrechnung für das historische Pfarrhaus zu kämpfen, sondern auch mit ihrer Tochter, die das Heidentum weitaus anziehender findet als die Lehren, die sie vertritt….
Ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen und kann daher noch kein abschließendes Urteil abgeben, die Serie an sich möchte ich Euch auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Damit Ihr eine kleine Ahnung habt, worum es geht, kommt hier der Klappentext:

„Dezember in Herefordshire, die Flüsse steigen, bald wird der kleine Ort Ledwardine eine Insel sein. Der Strom ist schon ausgefallen. Sicher fühlt sich nur der vor einer Fatwa hierher geflohene bekannte Religionskritiker. Derweil entbrennt Streit um eine archäologische Grabung, die manchen gar nicht passt: militanten Christen, den Grundstücksbesitzern und auch der jungen Frau des Atheisten. Mehr als den Medienzirkus um das urzeitliche Heiligtum fürchtet sie aber etwas anderes. Etwas, das nach einem Exorzisten verlangt. Doch in Ledwardine ist nicht nur der Teufel los, sondern auch ein Mörder.“

 

Ich hoffe, Ihr konntet hier die eine oder andere Anregung mitnehmen. Was lest, trinkt oder strickt Ihr denn gerade gerne? Ich würde mich sehr über Kommentare freuen!

 

Socken mal andersrum – Toe-up socks

Ihr habt es sicher gemerkt: die letzten beiden Wochen war es sehr ruhig hier. Keine neuen Posts, nicht mal die eigentlich obligatorische verstrickte Dienstagsfrage. Das liegt daran, dass ich richtig fies krank war. Zum Glück geht es jetzt schon wieder. Allen, die letzte Woche Kommentare zu meiner verstrickten Dienstagsfrage zum Thema Mohair-Wolle, Pflege & Flusen hinterlassen haben, ganz herzlichen Dank!

Wenn Ihr gelegentlich mal bei Tee & Kekse reinschaut, habt Ihr es sicher schon mitbekommen: Bei mir hüpfen in letzter Zeit richtig viele Socken von der Nadel. Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren, nämlich statt der klassischen Socken, die vom Bündchen aus gestrickt werden die genau gegenläufige Variante, nämlich von der Spitze aus. Verwendet habe ich dafür die 4-Stufen-Stricktechnik von Autorin Veronika Hug, die mich dankenswerter Weise auf den Trichter gebracht hat, es doch zur Abwechslung mal so zu versuchen. Vielen Dank dafür!

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Socken von der Spitze aus zu stricken ist absolut kein Hexenwerk. Begonnen wird mit nur wenigen Maschen, dann wird zugenommen, bis der gewünschte Umfang erreicht ist. Das war auch schon die erste Stufe. In Stufe zwei geht es munter in Runden weiter, bis der Fuß lang genug ist. Stufe 3 gehört ganz der Ferse, die noch immer manchen in die Flucht schlägt, obwohl auch daran absolut nichts magisches ist. Die gute Nachricht: bei dieser Technik strickt sich die Ferse denkbar einfach, erst einmal wird genau wie an der Spitze zugenommen. Anschließend werden wieder so viele Maschen zusammengestrickt, bis die Ausgangsbreite erreicht ist. Das war es auch schon. Obwohl, nicht ganz: Jetzt fehlt noch Stufe 4. da geht es wie beim Fuß in fröhlichen Runden das Bein nach oben, bis die Socke lang genug ist. Jetzt nur noch abketten und fertig.

Ausführlich erklärt wird die Technik in Büchern wie „Socken & Co“ oder dieser Handarbeits-Zeitschrift.

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Ich stricke dieses Paar mit „Meilenweit Men“ in der Farbe 1621 von Lana Grossa. Die erdigen Töne haben mich dazu inspiriert, langgezogene falsche Zöpfe zu stricken, die ein wenig an Bambus erinnern. Passt super, finde ich.

Was die Sinnhaftigkeit des Toe-Up Strickens anbelangt, so gibt es verschiedene Meinungen. Ein Vorteil ist neben der Abwechslung sicher auch, dass der Schaft am Ende gestrickt wird und dementsprechend auch ein paar Reihen kürzer ausfallen kann, wenn das Garn knapp wird. Die Passform scheint mir ganz gut zu sein, darüber kann ich aber erst mehr sagen, wenn die Socken eine Weile im Gebrauch waren. Eine begeisterte neue Besitzerin haben sie schon gefunden…

Das Bambus-Muster (Maschenzahl teilbar durch 6) geht wie folgt:

1.-7. Runde: *3 Maschen links, 3 Maschen rechts*, von * bis * wiederholen, wenn möglich mit 3 Maschen links enden

8. Runde: *3 Maschen links, 1 Masche wie zum rechtsstricken abheben, eine Masche rechts stricken, ein Umschlag, eine Masche rechts stricken. Jetz die abgehobene Masche über die drei folgenden Maschen ziehen.* Von * bis * wiederholen.

Anschließend die 1.-8. Runde wiederholen, bis die gewünschte Höhe erreicht ist.

Nordische Maschenträume – Nordic Knitting Traditions

6327Mit seinen fröhlich und lebendig gemusterten Strickstücken, den strahlenden, kraftvollen Farben und wundervollen Mustern ist das Anfang Oktober erschienene „Nordische Maschenträume – Traditionelle Muster leicht gestrickt“ von Susan Anderson-Freed eine Augenweide. Mit stetig wachsender Begeisterung habe ich es durchgeblättert, denn es passiert mir nicht häufig, dass mir in einem Anleitungsbuch oder -heft so viele der Modelle gefallen.

25 Projekte hält das 2012 erstmals auf englisch als „Nordic Knitting Traditions“ erschienene Buch für Fans der Fair-Isle-Strickerei fest. Jetzt wurde es im Stuttgarter frechverlag auf deutsch übersetzt. Die nordischen Maschenträume finden sich geordnet in den drei Kapiteln: Mützen (hier findet sich auch eine Auswahl an Baskenmützen wie auf dem Titelbild), Finger- und Fausthandschuhe sowie Socken, Kniestümpfe und Beinstulpen.

Schon beim Durchblättern macht das Handarbeitsbuch mit Softcovereinband Lust darauf, zu den Nadeln zu greifen. Das liegt sicher mit an der liebevollen und übersichtlichen Gestaltung. Die Charts haben eine gute Größe und die einzelnen Farbbereiche sind zusätzlich mit Zahlen versehen, was das Erfassen der benötigten Maschenzahl auf einen Blick möglich macht. Zu Beginn jedes neuen Abschnitts, zum Beispiel ‚Mützen‘ oder ‚Stulpen‘, wird eine Grundanleitung gegeben. Es werden mögliche Erweiterungen und Änderungen vorgeschlagen, denn die Projekte werden jeweils in einer Einheitsgröße angegeben, vermutlich aufgrund der komplexen Muster. Einen Eindruck von der Farbigkeit der kunstvollen Muster und dem Aufbau des Buchs gibt es bei Amazon, wo man in die englische Ausgabe hineinblättern kann.

Einerseits ist es sehr angenehm, dass „Nordische Maschenträume“ wirklich so gut wie ausschließlich aus den Anleitungen und gelungenen Fotografien besteht, meines Erachtens fehlen aber auch Dinge, die es zumindest den deutschen Lesern deutlich einfacher gemacht hätten. Ein Beispiel dafür findet sich auf der einleitenden Doppelseite „Stricken in der Fair Isle Technik“. Hier wird anhand von drei Grafiken die Fadenhaltung und der Umgang mit mehreren Fäden demonstriert. Leider hat man es versäumt, die Grafik für den deutschen Markt mit zu übersetzen und damit meine ich tatsächlich nicht den Text: die allermeisten deutschsprachigen Handarbeitsfans, die ich kenne, stricken im „continental style“, wie man ihn im englischsprachigen Raum gerne nennt. Das heißt also, der Arbeitsfaden läuft über die linke Hand. Nicht so auf den Grafiken. Dort wird die Art der Handhaltung demonstriert, wie sie beispielsweise in England, den USA, aber auch manchen europäischen Ländern üblich ist. Dabei hält man den Arbeitsfaden rechts und lässt auch den Arbeitsfäden über die rechte Nadel laufen, der dann zum Stricken gleichsam um die Nadel geworfen wird.

Wunderbar gelungen finde ich bei den allermeisten Modellen die Farbauswahl der Autorin. Neugierig geworden, habe ich mich daraufhin näher mit der hochwertigen Garnauswahl beschäftig. Es hat mich gleich angesprochen, dass Susan Anderson-Freed, die bis 2010 in Illinois als Professorin für Informatik tätig war, sich bewusst für Garne mit einem möglichst hohen Anteil an Naturmaterialien wie Wolle oder Seide entschieden hat. Damit sind wir schon mitten in dem Thema, das deutschen Lesern meines Erachtens mit die meisten Probleme bereiten kann. Aus dem Gespräch mit zahlreichen Händlern und Strickdesignern weiß ich, dass hierzulande die Materialangaben in Anleitungen eine große Rolle spielen, gekauft wird am liebsten, was die Anleitung vorgibt. Proben wir also den Ernstfall:

Eines der Modelle, die mir am besten gefällt, ist „Kateys Socken Eichelstern“ – so sind übrigens alle Anleitungen aufgebaut. Dem Namen des Strickstücks folgt das Grundmuster, an dem sich die Autorin für ihr Design inspirieren ließ. Für diese Socken werden sieben verschiedene Farben benötigt, die Materialliste sieht 4 verschiedene Hersteller vor: 1 Strang Cascade Yarn Heritage 150 Solids, 1 Strang Cascade Yarn Heritage Silk, 2 Stränge Madelinetosh Merino Light, 1 Strang Cherry Tree Hill/ Louet Gems Fingering und außerdem 1 Strang Valley Yarns Huntington. Vor Ort kann ich keines dieser Garne bekommen. Möchte ich wirklich mit dem angegebenen Garn stricken, komme ich um eine Bestellung im Internet nicht herum. Um hohe Porto- und Zollkosten aus dem Ausland zu umschiffen, suche ich einmal bei deutschen Händlern: Während Cascade und Madelinetosh bestellbar sind, finde ich keine Treffer für Cherry Tree Hill und Valley Yarns. Trübe Aussichten also, ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt des Unternehmens, wenn man bedenkt, dass ein einziger Strang  Madelinetosh Merino Light mit rund 18 Euro zu Buche schlägt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Glücklich, wer selbst spinnen und sich so Alternativen schaffen kann. Alternativen sind überhaupt ein gutes Stichwort: Ein toller Service wäre es gewesen, eine auf den deutschsprachigen Markt angepasste Auswahl an alternativen Garnen und ihren Bezugsquellen zu nennen, an der man sich orientieren kann.

Trotz dieser Punkte, die man sicherlich hätte optimaler umsetzen können, halte ich „Nordische Strickträume“ für ein Buch voll gelungener Inspirationen für geübte Handarbeitsfans. Wo der Untertitel „Traditionelle Muster einfach Stricken“ herkommt weiß ich auch nicht so genau. Im englischen Original lautet er übersetzt „25 skandinavische, isländische und Fair Isle Accessoires  stricken“. Das kommt der Wahrheit wahrscheinlich doch irgendwie näher. Sicher ist aber: Mützen, Handschuhe, Socken oder Stulpen wie die Modelle von Susan Anderson-Freed bringen Farbe in das winterliche Grau und zaubern auch an noch so trüben Tagen garantiert ein Lächeln auf die Lippen.

Auf einen Blick:

Susan Anderson-Freed:

Nordische Maschenträume: Traditionelle Muster leicht gestrickt

Frechverlag 2013

ISBN: 978-3772463273

16,99 €

Chic gezopft

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… ist das Paar Zora-Socken von Regina Satta, das ich gerade auf den Nadeln habe. Die Anleitung dazu gibt es hier kostenlos auf Ravelry. Als Garn habe ich „Smaragd“ von Pro Lana ausgewählt, die anders als auf dem Foto in wunderbar strahlenden Blautönen schimmert. Nummer eins der einfach zu strickenden Zopfsocken ist schon fertig und wartet auf den Gegenpart…

IMG_4086Auf diesem Bild entsprechen die Farben deutlich besser dem Original. Allerdings ist hier auch etwas zu sehen, worüber ich nicht so richtig erbaut bin, nämlich die relativ lockeren Maschen der Fersenwand. Im Eifer des Gefechts ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber jetzt stört es mich. Beim zweiten Socken habe ich darauf geachtet und konnte dieses Problem leicht lösen, indem ich für die Fersenwand einfach eine halbe Nadelstärke kleiner gestrickt habe (2,5 statt 3) und auch den Faden deutlich fester angezogen habe.

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Das Ergebnis ist  eine feste, gleichmäßige Fersenwand. Jetzt ergibt sich allerdings das nächste Problem: Genau dieser Unterschied ist deutlich zu sehen und ich auch glaube kaum, dass er sich durchs Waschen vollständig geben wird. Ich bin schwer am Überlegen, den ersten Socken nochmals bis zur Ferse aufzutrennen und neu zu stricken. So ist das eben… Gerade Fehler bringen uns oft sehr viel weiter, als wenn wir immer alles richtig machen.

Habt Ihr Erfahrungen, in wie weit sich Unebenheiten nach dem Waschen noch ausgleichen?