Die verstrickte Dienstagsfrage #81

Einen wunderschönen, vorweihnachtlichen Dienstag haben wir heute. Toll, denn dazu passt auch mein ganz persönlicher Weihnachtshit 2013, den ihr hier anhören könnt – aber Vorsicht, es ist ein Ohrwurm sondersgleichen, auch wenn es sich nicht um „Last Christmas“ handelt… Schnell auf „Play“ gedrückt und dann mit der aktuellen verstrickten Dienstagsfrage des neugierigen Wollschafs gestartet, die sich einmal mehr um selbstgemachte Weihnachtsgeschenke dreht.

Natürlich geht es auch heute um Weihnachten und ich möchte die Frage von letzter Woche umdrehen.

Welche wolligen Geschenke macht ihr? Strickt ihr jedem Familienmitglied Socken oder andere Kleinigkeiten, oder gibt es ein paar Auserwählte, die mit größeren Strick-Geschenken bedacht werden?

Oder strickt ihr nach wie vor gemütlich vor euch hin für wen auch immer, ohne euch durch das fixe Datum hetzen zu lassen?

Und natürlich bin ich neugierig: Wie sehen denn eure Strickgeschenke aus?

Vielen Dank an Anja für die heutige Frage!

Liebe Anja, liebes Wollschaf,

mal ganz ehrlich, wie stellt Ihr Euch das vor? Zufällig weiß ich ganz genau, dass der eine oder die andere hier mitliest, die mit einem wolligen Geschenk bedacht werden. Also kann ich hier doch schlecht Weihnachtsgeschenke spoilern, oder? Fotos gibt es also auf jeden Fall erst nach Weihnachten.

Bei mir ist es so, dass tatsächlich nur einige Leute mit selbstgestricktem beschenkt werden, nämlich diejenigen, von denen ich weiß, dass sie so etwas gern haben und auch zu schätzen wissen. Weihnachtsgeschenk 1 weilt beispielsweise derweil schon mit seiner neuen Besitzerin im winterlichen New York und hält ihr hoffentlich den Kopf schön warm. Ja, richtig geraten, es ist eine Mütze, die ich aber leider nicht mehr fotografieren konnte, weil ich buchstäblich in letzter Minute noch die Fäden vernäht habe, damit sie noch mitreisen kann. Für alle, die noch ein schnelles Projekt suchen, kann ich den Giftie Slouchie Beanie empfehlen. (Leider braucht die Seite relativ lang zum Laden, aber es lohnt sich, die Mütze ist wirklich toll und die kostenlose Anleitung gut erklärt!) Getsrickt habe ich sie mit Creative Galaxy Chunky von Rico Design, einem tollen Garn mit kleinen Pailetten drin. Eigentlich ist soviel Bling Bling ja nicht mein Fall, aber die Wolle ist wirklich zum dahinschmelzen.

Das beantwortet zumindest auch zum Teil die Frage, wie ich es mit dem Zeitpunkt der gewünschten Fertigstellung halte: Die Mütze habe ich schon weit vorher verschenkt, weil sie einfach gebraucht wurde. Die anderen Sachen sind auch schon (fast) fertig, so dass sie an Weihnachten ausgepackt werden können – und dann auch hoffentlich gefallen.

Ansonsten: Füße stillhalten und abwarten, was der Weihnachtsmann so bringt. Wenn wir ehrlich sind, hat das doch auch seinen Reiz….

Viele Grüße,

Tee & Kekse

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Nordische Maschenträume – Nordic Knitting Traditions

6327Mit seinen fröhlich und lebendig gemusterten Strickstücken, den strahlenden, kraftvollen Farben und wundervollen Mustern ist das Anfang Oktober erschienene „Nordische Maschenträume – Traditionelle Muster leicht gestrickt“ von Susan Anderson-Freed eine Augenweide. Mit stetig wachsender Begeisterung habe ich es durchgeblättert, denn es passiert mir nicht häufig, dass mir in einem Anleitungsbuch oder -heft so viele der Modelle gefallen.

25 Projekte hält das 2012 erstmals auf englisch als „Nordic Knitting Traditions“ erschienene Buch für Fans der Fair-Isle-Strickerei fest. Jetzt wurde es im Stuttgarter frechverlag auf deutsch übersetzt. Die nordischen Maschenträume finden sich geordnet in den drei Kapiteln: Mützen (hier findet sich auch eine Auswahl an Baskenmützen wie auf dem Titelbild), Finger- und Fausthandschuhe sowie Socken, Kniestümpfe und Beinstulpen.

Schon beim Durchblättern macht das Handarbeitsbuch mit Softcovereinband Lust darauf, zu den Nadeln zu greifen. Das liegt sicher mit an der liebevollen und übersichtlichen Gestaltung. Die Charts haben eine gute Größe und die einzelnen Farbbereiche sind zusätzlich mit Zahlen versehen, was das Erfassen der benötigten Maschenzahl auf einen Blick möglich macht. Zu Beginn jedes neuen Abschnitts, zum Beispiel ‚Mützen‘ oder ‚Stulpen‘, wird eine Grundanleitung gegeben. Es werden mögliche Erweiterungen und Änderungen vorgeschlagen, denn die Projekte werden jeweils in einer Einheitsgröße angegeben, vermutlich aufgrund der komplexen Muster. Einen Eindruck von der Farbigkeit der kunstvollen Muster und dem Aufbau des Buchs gibt es bei Amazon, wo man in die englische Ausgabe hineinblättern kann.

Einerseits ist es sehr angenehm, dass „Nordische Maschenträume“ wirklich so gut wie ausschließlich aus den Anleitungen und gelungenen Fotografien besteht, meines Erachtens fehlen aber auch Dinge, die es zumindest den deutschen Lesern deutlich einfacher gemacht hätten. Ein Beispiel dafür findet sich auf der einleitenden Doppelseite „Stricken in der Fair Isle Technik“. Hier wird anhand von drei Grafiken die Fadenhaltung und der Umgang mit mehreren Fäden demonstriert. Leider hat man es versäumt, die Grafik für den deutschen Markt mit zu übersetzen und damit meine ich tatsächlich nicht den Text: die allermeisten deutschsprachigen Handarbeitsfans, die ich kenne, stricken im „continental style“, wie man ihn im englischsprachigen Raum gerne nennt. Das heißt also, der Arbeitsfaden läuft über die linke Hand. Nicht so auf den Grafiken. Dort wird die Art der Handhaltung demonstriert, wie sie beispielsweise in England, den USA, aber auch manchen europäischen Ländern üblich ist. Dabei hält man den Arbeitsfaden rechts und lässt auch den Arbeitsfäden über die rechte Nadel laufen, der dann zum Stricken gleichsam um die Nadel geworfen wird.

Wunderbar gelungen finde ich bei den allermeisten Modellen die Farbauswahl der Autorin. Neugierig geworden, habe ich mich daraufhin näher mit der hochwertigen Garnauswahl beschäftig. Es hat mich gleich angesprochen, dass Susan Anderson-Freed, die bis 2010 in Illinois als Professorin für Informatik tätig war, sich bewusst für Garne mit einem möglichst hohen Anteil an Naturmaterialien wie Wolle oder Seide entschieden hat. Damit sind wir schon mitten in dem Thema, das deutschen Lesern meines Erachtens mit die meisten Probleme bereiten kann. Aus dem Gespräch mit zahlreichen Händlern und Strickdesignern weiß ich, dass hierzulande die Materialangaben in Anleitungen eine große Rolle spielen, gekauft wird am liebsten, was die Anleitung vorgibt. Proben wir also den Ernstfall:

Eines der Modelle, die mir am besten gefällt, ist „Kateys Socken Eichelstern“ – so sind übrigens alle Anleitungen aufgebaut. Dem Namen des Strickstücks folgt das Grundmuster, an dem sich die Autorin für ihr Design inspirieren ließ. Für diese Socken werden sieben verschiedene Farben benötigt, die Materialliste sieht 4 verschiedene Hersteller vor: 1 Strang Cascade Yarn Heritage 150 Solids, 1 Strang Cascade Yarn Heritage Silk, 2 Stränge Madelinetosh Merino Light, 1 Strang Cherry Tree Hill/ Louet Gems Fingering und außerdem 1 Strang Valley Yarns Huntington. Vor Ort kann ich keines dieser Garne bekommen. Möchte ich wirklich mit dem angegebenen Garn stricken, komme ich um eine Bestellung im Internet nicht herum. Um hohe Porto- und Zollkosten aus dem Ausland zu umschiffen, suche ich einmal bei deutschen Händlern: Während Cascade und Madelinetosh bestellbar sind, finde ich keine Treffer für Cherry Tree Hill und Valley Yarns. Trübe Aussichten also, ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt des Unternehmens, wenn man bedenkt, dass ein einziger Strang  Madelinetosh Merino Light mit rund 18 Euro zu Buche schlägt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Glücklich, wer selbst spinnen und sich so Alternativen schaffen kann. Alternativen sind überhaupt ein gutes Stichwort: Ein toller Service wäre es gewesen, eine auf den deutschsprachigen Markt angepasste Auswahl an alternativen Garnen und ihren Bezugsquellen zu nennen, an der man sich orientieren kann.

Trotz dieser Punkte, die man sicherlich hätte optimaler umsetzen können, halte ich „Nordische Strickträume“ für ein Buch voll gelungener Inspirationen für geübte Handarbeitsfans. Wo der Untertitel „Traditionelle Muster einfach Stricken“ herkommt weiß ich auch nicht so genau. Im englischen Original lautet er übersetzt „25 skandinavische, isländische und Fair Isle Accessoires  stricken“. Das kommt der Wahrheit wahrscheinlich doch irgendwie näher. Sicher ist aber: Mützen, Handschuhe, Socken oder Stulpen wie die Modelle von Susan Anderson-Freed bringen Farbe in das winterliche Grau und zaubern auch an noch so trüben Tagen garantiert ein Lächeln auf die Lippen.

Auf einen Blick:

Susan Anderson-Freed:

Nordische Maschenträume: Traditionelle Muster leicht gestrickt

Frechverlag 2013

ISBN: 978-3772463273

16,99 €

Maschentrends für Kopf und Kragen

Eine Zeit lang waren sie so was von aus der Mode, momentan geht styletechnisch aber wieder nicht ohne gestrickte Accessoires. Loops und Cowls, Handschuhe, Stulpen und nicht zuletzt Mützen sind nicht nur im Straßenbild reichlich vertreten, die kuschligen Maschenkunstwerke haben es inzwischen sogar bis auf die Laufstege der ganz großen Modelabels geschafft. So gab es auf der letzten London Fashion Week verrückte Kreationen in Strick für den Herren, während Isabel Marant auf der aktuellen Pariser Modewoche ein Model mit grob gestricktem Kleid im Ringel-Look über den Laufsteg schickte. Natürlich ist solcher Haute Couture Chic eine kostspielige Sache. Zwar gibt es aktuell wohl auch keine Modekette, die ohne Strickpullis & Co auskommt, aber ganz ehrlich: Wer will schon mit dem gleichen Loop rumlaufen wie Zigtausend andere auch? Glücklich, wer da selbst zu Wolle und Nadeln greifen kann, um sich sein eigenes Designerstück zu kreieren.

Interessante und abwechslungsreiche Anleitungen jenseits der unvermeidlichen Bommelmützen finden sich in dem, im November erschienenen Buch „CraSy- Kopf und Kragen“ von Sylvie Rasch. Und wer jetzt grübelt, woher ihm der Name bekannt vorkommt: Die Autorin stellt ihre Strickkreationen auf ihrer Homepage http://www.glam2000.de/ vor. Auf ihrem YouTube-Channel „CraSy handmade unicates“ finden sich zudem viele schön gemachte und wie ich finde auch lehrreiche Videoanleitungen. Ihr neues Buch aus dem ACABUS Verlag kommt als Paperback im Din-A 5 Format daher und lässt sich so leicht mit dem Strickzeug in beinahe jeder Tasche verstauen. Insgesamt finden sich auf 88 Seiten mit Baskenmützen, Stirnbändern, Loops, Mützen und Hüten aus Strickfilz 16 ganz unterschiedliche Modelle für Damen und Herren, um warm durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Eine Übersicht über alle Modelle findet sich hier bei Pinterest. Die gestrickten und teils auch gefilzten Modelle nutzen eigentlich durchweg dickere Garne und Nadelstärken ab Größe 4. So lässt sich die die neue Mütze oder der neue Loop auch relativ schnell verwirklichen. Insgesamt vier der 16 Modelle haben die Form einer Baskenmütze (siehe Titel) und sind meine persönlichen Favoriten. Gut gefällt mir auch, dass die Autorin sich auch für die Herren der Schöpfung drei schöne Stücke hat einfallen lassen wie „Metamorphosi“. Dieses Modell ist sehr wandlungsfähig und kann als Mütze ebenso getragen werden wie als Halswärmer. Positiv fällt auch der vergleichsweise umfangreiche Technikteil aus – allein drei Arten des Maschenanschlags finden sich hier.

Abzüge gibt es allerdings in der B-Note. Man kann es hip finden, Strickschriften schräg zu drucken, muss aber nicht. Um nicht mit Textmarkern herumschmieren zu müssen, verwende ich in Büchern üblicherweise ein magnetisches Lesezeichen, das klappt hier leider überhaupt nicht gut. Breite Post-It’s gehen, sind aber auf Dauer auch keine Lösung, weil sie durch das ständige Aufkleben und Abziehen schnell ihre Klebekraft verlieren. Mit Strickschriften an sich habe ich zwar üblicherweise kein Problem, kenne aber einige Strickerinnen, die nur Projekte stricken, bei denen die Anleitungen ausgeschrieben sind. Die werden an diesem Buch leider nur zum Teil Freude haben, auch wenn sich hier wirklich lohnende und schöne Ideen finden.

 

Auf einen Blick:

Sylvie Rasch: CraSy, Kopf und Kragen. Acabus Verlag, November 2012. ISBN: 978-3862822195.

Bestellt werden kann das Buch unter anderm beim Verlag

Das Buch wurde zur Verfügung gestellt von Blogg Dein Buch

Spinnen und stricken

Im letzten Post habe ich erzählt, dass ich gerade die ersten Spinnversuche unternehme und am überlegen bin, was aus der neuen Wolle entstehen soll. Letzte Woche erschien dann die neue Ausgabe von „The Knitter“ und beim ersten Durchblättern des Heftes wusste ich, was in der nächsten Zeit auf meinen Nadeln zu finden sein wird….

Das neue Heft beinhaltet nicht nur schöne Anleitungen wie das Lace-Tuch auf dem Titel, sondern auch wieder spannende News zum Thema Stricken, eine Reportage über eine Strickreise nach Norwegen und ein Interview mit dem Designer Kaffee Fesset. Besonders witzig fand ich jedoch, dass ausgerechnet in dieser Ausgabe auch ein Workshop zum Thema Spinen am Spinnrad enthalten ist. Bei den Anleitungen hat mich besonders eine Baskenmütze angsprochen, die aus der Wolle „Donegal“ von Lang Yarns gestrickt ist. Besonderes Kennzeichen dieser, aus Irland stammenden Tweedwolle, ist die unterschiedliche Dicke des Garns. „Aufgrund der traditionellen Produktionsweise können Schwankungen in der Lauflänge und Reisskraft auftreten“, heißt es in der Produktbeschreibung des Herstellers. Ich schaute also vom Modell zu meiner, in Dicke und Reißfestigkeit durchaus schwankenden Wolle, und dachte mir dass diese Beschreibung meine ersten Spinnversuche ziemlich gut beschreibt.

Weil mir das Modell mit dem Fischgrätmuster gleich gut gefallen hat, war es schnell, beschlossene Sache, was aus dem Garn werden sollte. Weil die Wolle ganz im Gegensatz zu „Dongeal“ aber vollkommen überdreht war, habe ich sie einfach nochmals gegen die Spinnrichtung aufs Rad laufen lassen, dann aber nicht verzwirnt, sondern einfach gewaschen und gespannt. Gespannt war dann nicht nur die Wolle, sondern auch ich, denn ich konnte es kaum erwarten, sie anzustricken.

Hier sind also Original und Anstrick. Ich hätte nie gedacht, dass ich die erste selbst gesponnene Wolle auch wirklich zu etwas verarbeiten könnte, aber dieses Strickmuster wird wunderbar dicht und verzeiht einiges, was die unterschiedliche Dicke der Wolle angeht. Jetzt bin ich mal gespannt, ob die Wolle auch reichen wird. Hoffentlich kann ich noch etwas Vlies nachkaufen, wenn sie nicht ausreicht…