Buchvorstellung „Stricken – so einfach geht’s“ + *Gewinnspiel*

Vor einiger Zeit stand ich im Buchladen und stöberte durch die Neuerscheinungen im Bereich DIY und Stricken - So einfach geht'sHandarbeiten. Ein kleiner, relativ schmaler Band hat mich neugierig gemacht: „Stricken – so einfach geht’s“ von GU. Ja, richtig gelesen. Bisher hat man den Verlag ja eher mit Ratgebern und tollen Kochbüchern in Verbindung gebracht, seit nicht ganz zwei Monaten gibt es jetzt auch Ratgeber zu Handmade-Themen wie Stricken, Häkeln, Sticken oder Nähen. Weil das Strickbuch von Jessica Bewernick (Macherin von schoenstricken. de)  sich für Neueinsteiger ebenso lohnt wie für diejenigen, die ihr Wissen wieder auffrischen oder ein bisschen vertiefen wollen, stelle ich den Kreativratgeber heute vor. Wenn Ihr Lust bekommen habt, mal in diesem Buch zu blättern und das ein oder andere auszuprobieren, kein Problem. In Zusammenarbeit mit GU verlose ich ein Exemplar von „Stricken – So einfach geht’s“. Mehr Infos zum Gewinnspiel gibt es am Ende des Posts.

Der rote Faden

Das Buch besticht durch Einfachheit. Einfache Projekte, einfache und gut verständliche Erklärungen. Wichtige Materialien, Werkzeuge und Zubehör werden im Theorieteil kurz und knackig vorgestellt. Man erfährt unter anderem, wie das mit der Maschenprobe geht, was die vielen geheimnisvollen Dinge auf einer Garnbanderole zu bedeuten haben und welche Utensilien angehende Strickerinnen und Stricker unbedingt im Gepäck haben sollten. Alle wichtigen Grundlagen werden in schön gestalteten Illustrationen erklärt und gleich in konkreten Projekten umgesetzt. Durch diese Verknüpfung von Theorie und Praxis sind nicht nur schnelle Erfolgserlebnisse garantiert, man muss nicht ewig lang blättern, bis man etwas findet.

Learning by doing

Vom kraus rechts gestrickten Loopschal über trendige Becherwärmer (Hallo Weihnachtsgeschenke …) bis hin zur mehrfarbigen Tablet-Tasche steigert sich der Schwierigkeitsgrad langsam aber stetig. Sitzen die Grundlagen, geht es Schritt für Schritt tiefer in die faszinierende Welt des Strickens: Flach- und Rundstricken, Intarsienstrickerei oder Jacquardstricken, insgesamt 15 Projekte in verschiedenen Techniken haben ihren Weg in das 64-seitige Buch gefunden. Wie ging das noch mal? Ihr lasst Euch neue Stricktechniken lieber zeigen oder lernt sie per Video? Auch dann ist das Buch das richtige für Euch bzw. die passende App dazu. Einfach GU Kreativ-Plus App runterladen, passendes Projekt- oder TeStricken - So einfach geht's App Strickbuch kostenloschnikbild scannen und loslegen. Die App enthält Videos der gezeigten Grundlagentechniken, damit Ihr Euch alles noch mal in Ruhe anschauen könnt. Das Projekt, an dem Ihr gerade arbeitet, könnt Ihr abspeichern und habt es so immer dabei. Das gilt auch für den virtuellen Einkaufszettel, der dabei hilft, im Laden nichts zu vergessen. Wenn kein Handarbeitsgeschäft in der Nähe ist, auch kein Beinbruch: Mit der App lassen sich die meisten Materialien direkt und bequem bei DaWanda bestellen.

Gewinn mich….

Ein rundum gelungenes Buch also, das ich Euch absolut empfehlen kann. Ein Exemplar könnt Ihr gewinnen, wenn Ihr bis 11.04.2015 einen Kommentar unter diesem Betrag hinterlasst und verratet, welche Stricktechnik Ihr gern lernen würdet. Das Buch wird dann unter allen Teilnehmern verlost. Vergesst also nicht, eine Kontaktmöglichkeit zu hinterlassen.

Viel Glück!

Und weil ich die Idee des virtuellen Bücherregals von Goldkind richtig klasse finde, habe ich das Buch auch da gleich eingestellt.

Nordische Maschenträume – Nordic Knitting Traditions

6327Mit seinen fröhlich und lebendig gemusterten Strickstücken, den strahlenden, kraftvollen Farben und wundervollen Mustern ist das Anfang Oktober erschienene „Nordische Maschenträume – Traditionelle Muster leicht gestrickt“ von Susan Anderson-Freed eine Augenweide. Mit stetig wachsender Begeisterung habe ich es durchgeblättert, denn es passiert mir nicht häufig, dass mir in einem Anleitungsbuch oder -heft so viele der Modelle gefallen.

25 Projekte hält das 2012 erstmals auf englisch als „Nordic Knitting Traditions“ erschienene Buch für Fans der Fair-Isle-Strickerei fest. Jetzt wurde es im Stuttgarter frechverlag auf deutsch übersetzt. Die nordischen Maschenträume finden sich geordnet in den drei Kapiteln: Mützen (hier findet sich auch eine Auswahl an Baskenmützen wie auf dem Titelbild), Finger- und Fausthandschuhe sowie Socken, Kniestümpfe und Beinstulpen.

Schon beim Durchblättern macht das Handarbeitsbuch mit Softcovereinband Lust darauf, zu den Nadeln zu greifen. Das liegt sicher mit an der liebevollen und übersichtlichen Gestaltung. Die Charts haben eine gute Größe und die einzelnen Farbbereiche sind zusätzlich mit Zahlen versehen, was das Erfassen der benötigten Maschenzahl auf einen Blick möglich macht. Zu Beginn jedes neuen Abschnitts, zum Beispiel ‚Mützen‘ oder ‚Stulpen‘, wird eine Grundanleitung gegeben. Es werden mögliche Erweiterungen und Änderungen vorgeschlagen, denn die Projekte werden jeweils in einer Einheitsgröße angegeben, vermutlich aufgrund der komplexen Muster. Einen Eindruck von der Farbigkeit der kunstvollen Muster und dem Aufbau des Buchs gibt es bei Amazon, wo man in die englische Ausgabe hineinblättern kann.

Einerseits ist es sehr angenehm, dass „Nordische Maschenträume“ wirklich so gut wie ausschließlich aus den Anleitungen und gelungenen Fotografien besteht, meines Erachtens fehlen aber auch Dinge, die es zumindest den deutschen Lesern deutlich einfacher gemacht hätten. Ein Beispiel dafür findet sich auf der einleitenden Doppelseite „Stricken in der Fair Isle Technik“. Hier wird anhand von drei Grafiken die Fadenhaltung und der Umgang mit mehreren Fäden demonstriert. Leider hat man es versäumt, die Grafik für den deutschen Markt mit zu übersetzen und damit meine ich tatsächlich nicht den Text: die allermeisten deutschsprachigen Handarbeitsfans, die ich kenne, stricken im „continental style“, wie man ihn im englischsprachigen Raum gerne nennt. Das heißt also, der Arbeitsfaden läuft über die linke Hand. Nicht so auf den Grafiken. Dort wird die Art der Handhaltung demonstriert, wie sie beispielsweise in England, den USA, aber auch manchen europäischen Ländern üblich ist. Dabei hält man den Arbeitsfaden rechts und lässt auch den Arbeitsfäden über die rechte Nadel laufen, der dann zum Stricken gleichsam um die Nadel geworfen wird.

Wunderbar gelungen finde ich bei den allermeisten Modellen die Farbauswahl der Autorin. Neugierig geworden, habe ich mich daraufhin näher mit der hochwertigen Garnauswahl beschäftig. Es hat mich gleich angesprochen, dass Susan Anderson-Freed, die bis 2010 in Illinois als Professorin für Informatik tätig war, sich bewusst für Garne mit einem möglichst hohen Anteil an Naturmaterialien wie Wolle oder Seide entschieden hat. Damit sind wir schon mitten in dem Thema, das deutschen Lesern meines Erachtens mit die meisten Probleme bereiten kann. Aus dem Gespräch mit zahlreichen Händlern und Strickdesignern weiß ich, dass hierzulande die Materialangaben in Anleitungen eine große Rolle spielen, gekauft wird am liebsten, was die Anleitung vorgibt. Proben wir also den Ernstfall:

Eines der Modelle, die mir am besten gefällt, ist „Kateys Socken Eichelstern“ – so sind übrigens alle Anleitungen aufgebaut. Dem Namen des Strickstücks folgt das Grundmuster, an dem sich die Autorin für ihr Design inspirieren ließ. Für diese Socken werden sieben verschiedene Farben benötigt, die Materialliste sieht 4 verschiedene Hersteller vor: 1 Strang Cascade Yarn Heritage 150 Solids, 1 Strang Cascade Yarn Heritage Silk, 2 Stränge Madelinetosh Merino Light, 1 Strang Cherry Tree Hill/ Louet Gems Fingering und außerdem 1 Strang Valley Yarns Huntington. Vor Ort kann ich keines dieser Garne bekommen. Möchte ich wirklich mit dem angegebenen Garn stricken, komme ich um eine Bestellung im Internet nicht herum. Um hohe Porto- und Zollkosten aus dem Ausland zu umschiffen, suche ich einmal bei deutschen Händlern: Während Cascade und Madelinetosh bestellbar sind, finde ich keine Treffer für Cherry Tree Hill und Valley Yarns. Trübe Aussichten also, ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt des Unternehmens, wenn man bedenkt, dass ein einziger Strang  Madelinetosh Merino Light mit rund 18 Euro zu Buche schlägt. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Glücklich, wer selbst spinnen und sich so Alternativen schaffen kann. Alternativen sind überhaupt ein gutes Stichwort: Ein toller Service wäre es gewesen, eine auf den deutschsprachigen Markt angepasste Auswahl an alternativen Garnen und ihren Bezugsquellen zu nennen, an der man sich orientieren kann.

Trotz dieser Punkte, die man sicherlich hätte optimaler umsetzen können, halte ich „Nordische Strickträume“ für ein Buch voll gelungener Inspirationen für geübte Handarbeitsfans. Wo der Untertitel „Traditionelle Muster einfach Stricken“ herkommt weiß ich auch nicht so genau. Im englischen Original lautet er übersetzt „25 skandinavische, isländische und Fair Isle Accessoires  stricken“. Das kommt der Wahrheit wahrscheinlich doch irgendwie näher. Sicher ist aber: Mützen, Handschuhe, Socken oder Stulpen wie die Modelle von Susan Anderson-Freed bringen Farbe in das winterliche Grau und zaubern auch an noch so trüben Tagen garantiert ein Lächeln auf die Lippen.

Auf einen Blick:

Susan Anderson-Freed:

Nordische Maschenträume: Traditionelle Muster leicht gestrickt

Frechverlag 2013

ISBN: 978-3772463273

16,99 €